John Boyne – Der Junge auf dem Berg

 

Das verrät der Klappentext:

Als Pierrot seine Eltern verliert, nimmt ihn seine Tante zu sich in den deutschen Haushalt, in dem sie Dienst tut. Aber dies ist keine gewöhnliche Zeit: Der zweite Weltkrieg steht unmittelbar bevor. Und es ist kein gewöhnliches Haus: Es ist der Berghof – Adolf Hitlers Sommerresidenz.
Schnell gerät der Junge unter den direkten Einfluss des charismatischen Führers. Um ihm seine Treue zu beweisen, ist er zu allem bereit – auch zum Verrat.

(Quelle: fischerverlage.de)

Das verrate ich:

Als ich es mir vor einigen Tagen mit „Der Junge auf dem Berg“ gemütlich gemacht habe, ahnte ich mir natürlich, dass diese Lektüre kein Spaziergang wird. Doch das mich John Boyne mit diesem Buch noch mehr beeindruckt, als mit „Der Junge im gestreiften Pyjama„. Damit habe ich nicht gerechnet.

Ich könnte jetzt noch einiges mehr vom Inhalt Preis geben, doch ich belasse es beim Klappentext. Denn das Buch ist wie das wahre Leben. Und zwar der Teil des Lebens, der sich im eigenen Kopf, in den eigenen Wänden erstmal unwahrscheinlich gut anfühlt. Und das genau so lange, bis er mit unseren Mitmenschen und den äußeren Einflüssen in Berührung kommt. Denn erst dann stellt man fest, dass sowohl das Fundament als auch das Gerüst instabil sind.

Der erste Teil des Buches ist vom Autor frei erfunden. Man kann es so runterlesen, schon fast geniessen, denn es ist nur eine Geschichte. Die Geschichte eines kleinen Jungens, der trotz aller Widrigkeiten ein unwahrscheinlich großes Herz hat und sehr auf seine Mitmenschen bedacht ist. Ein Junge, der gerne spielt, der es genießt Kind zu sein und all die alltäglichen Eindrücke aufsaugt wie ein Schwamm. Man könnte während des Lesens sogar in sich hineinlächeln, könnte, denn eigentlich ahnt und weiß man, dass der zweite Teil dieser Geschichte ungemütliche, bedrohliche Überraschungen bereithält. Doch trotz der düsteren Vorahnung liest man natürlich weiter, redet sich ein, dass es sich schließlich nur um ein Buch handelt.

Doch Boyne lässt den Leser nicht los. Er lässt uns spüren, dass es eben nicht nur ein Buch ist. An manchen Stellen ist es vielmehr ein Blick nach draussen, vor die eigene Tür. Und während wir die Geschichte von Pierrot mitverfolgen, wird uns bewusst, dass wir wesentliche Dinge ändern müssen. Wir müssen erkennen, dass all das Schönreden, das Wegsehen und Ignorieren einfach nicht hilft. Wir müssen anpacken. Wir müssen uns kümmern. Wir müssen dort anfangen, wo das Gerüst am instabilsten ist und das Fundament noch nicht getrocknet ist.

Wir müssen diese Geschichte verinnerlichen, sie nach draussen tragen. Es sind nicht immer die „Lies mich am Strand“ -Bücher die wir verschenken sollten. Es sind Bücher wie dieses hier. Die Geschichte muss raus in die Welt, damit sie unsere Geschichte positiv beeinflusst. Geschichten wollen erzählt werden, damit wir aus ihnen lernen können.

Und nun hoffe ich, dass ihr trotz der Schwere der Geschichte beherzt zu diesem Buch greift. Ich wünsche mir, dass es euch aus den Regalen zuwinkt und laut und deutlich ruft: „Lies mich!“

„Der Junge auf dem Berg“, John Boyne, ISBN 978-3-7373-4062-5, 304 Seiten, gebunden, 16,99€

 

7 Comments

  1. Hallo Nina!
    Ich freue mich so, dass du wieder bloggst und wünsche dir ganz viel Spaß dabei!

    „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von Boyne lässt mich bis heute nicht los und ist nach wie vor eines meiner Lieblingsbücher (auch der Film dazu ist sooo emotional und traurig). Dass dich „Der Junge auf dem Berg“ noch mehr beeindrucken kann, heißt für mich: Ich habe hier einen Buchschatz auf dem SuB liegen. Auch wenn ich das Buch am liebsten sofort und gleich lesen möchte, werde ich es mir doch zurückbehalten – denn Leseflauten können mit solchen Büchern wunderbar abgewehrt werden. 🙂

    Vielen Dank für dein Leseerlebnis und ganz viel Spaß beim Bloggen!

    • Liebe Iris,
      über den Jungen im gestreiften Pyjama habe ich auch lange nachgedacht und er wird mir wohl auch uf Ewig im Gedächtnis bleiben. Hast Du eigentlich auch Jakobs Mantel gelesen? Den lege ich dir sonst auch noch ans Herz.
      Ich wünsche Dir noch einen schönen Sonntag und hoffentlich spannende Stunden mit dem Nebelmann 🙂

      • Oh ja, Jakobs Mantel! Die Geschichte von Mika. Ja, das war ein absolutes Lesehighlight von mir. Damals ;-). Ebenso wie 28 Tage lang von David Safier.
        Wünsche dir eine schöne Woche! Wir lesen uns!

        PS: Der Nebelmann raubt mir gerade sämtliche Energie – sollte die erste Rezension für den Blog werden *lach*.

  2. Du bist wieder da! <3

    Und das Buch ist gleich auf meiner "Musst du das nächste Mal mitnehmen"-Liste gelandet. Danke für die Rezension und viel Spaß mit dem neuen Blog. 🙂

    LG Petzi

    • Vielen Dank für deinen lieben Wort hier und auf FB <3 Da macht der Einstieg gleich doppelt Freude 🙂

  3. Liebe Nina,

    schön, dass du wieder da bist :*
    Ich befürchte es wird mir mit dem Buch so gehen wie mit Jakobs Mantel, dass hat mich auch ewig nicht los gelassen und verfolgt. „Der Junge im gestreiften Pyjama“ habe ich noch nicht gelesen. Habe ich da was verpasst? Sollte ich ihn auch noch lesen?

    Alles Liebe und weiterhin ganz viel Spaß beim Bloggen! :*

    Corinna

    • Auch Dir natürlich lieben Dank. Und was habe ich mich gefreut, als ich das Buch heute früh in Deiner InstaStory entdeckt habe! Du musst unbericht berichten wie es Dir gefallen hat und bitte auch noch Der Junge im gestreiften Pyjama lesen. Das ist quasi Pflichtlektüre 🙂

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